Gay Time ist eine Maßeinheit, die mit Uhrzeit wenig zu tun hat. Genannt wird ein Zeitpunkt, gemeint ist der Beginn einer Vorbereitung, die mit der Nennung überhaupt erst anfängt. Der Begriff beschreibt eine Verschiebung, die alle Beteiligten kennen und niemand ausspricht.
Der Ablauf
Die Ankündigung: "Wir sind um 23:00 da." Mit voller Überzeugung gesagt und in diesem Moment auch ehrlich gemeint. Um 23:00 fällt die erste Abweichung an: Dusche. Um 00:17 folgt die Nachricht "Sind unterwegs", abgeschickt aus der eigenen Wohnung, während im Hintergrund die dritte Hose zur Debatte steht. Beide Aussagen sind wahr, sie beziehen sich nur auf verschiedene Universen.
Keine Unhöflichkeit, ein System
Das Missverständnis liegt in der Annahme, hier gehe jemand nachlässig mit fremder Zeit um. Tut er nicht. Gay Time betrifft die eigene Gruppe, ist beidseitig bekannt und wird eingepreist: Wer 23:00 hört, plant mit 00:30 und kommt entspannt an. Ärger entsteht erst dort, wo eine Seite die Einheit nicht kennt.
Die Verschiebung hat auch einen Grund. Das Fertigmachen ist bei vielen kein Vorlauf, sondern schon Teil des Abends: Playlist, Outfitwechsel, Vorglühen, die Frage, ob der Look für den Floor oder für den Weg dorthin gedacht ist. Wer das kürzt, spart eine Stunde und verliert den halben Abend. Dass am Ende trotzdem eine Uhrzeit genannt wird, gehört zum Ritual dazu.
AT TWINK DEATH
Wann du kommst, spielt bei uns keine Rolle. Die Nacht ist lang, das Line-up auch, und Anwesenheitslisten führt niemand. Die letzte Kachel dieses Eintrags hält das Ergebnis fest: "Estimated arrival: conceptual." Wer allerdings das Warm-up mitnehmen will, sollte damit rechnen, dass die Uhr am Floor die gewöhnliche ist.
Verwandte Begriffe
- Gay Audacity — wo diese Pläne herkommen.
- One Last Track — dieselbe Zeitrechnung am anderen Ende der Nacht.