Gay Audacity bezeichnet ein Selbstvertrauen, für das die Beweislage nichts hergibt. Der Körper meldet Feierabend, der Plan meldet Weitermachen, und der Plan gewinnt. Der Begriff kommt aus der queeren Internetkultur und beschreibt keine Eigenschaft, sondern eine wiederkehrende Entscheidung.
Die Beweislage
Drei Stunden Schlaf. Keine Stimme mehr. Sonntagnachmittag, das Tageslicht steht ungünstig, der Kühlschrank ist leer, die letzte Nacht sitzt noch in den Beinen. In genau dieser Lage stellt jemand die Frage: "Sollen wir heute Abend nochmal raus?" Es fragt immer jemand. Es sagt immer jemand ja.
Nicht zu verwechseln mit Arroganz
Der Unterschied ist deutlich. Arroganz behauptet, besser zu sein als andere. Audacity behauptet gar nichts, sie handelt einfach. Darin steckt keine Selbstüberschätzung, sondern eine Weigerung, die Faktenlage zur Kenntnis zu nehmen, samt der stillen Übereinkunft, dass die Rechnung später kommt und später ein anderer Mensch ist.
Auch mit Leichtsinn ist der Begriff nicht zu verwechseln. Es geht nicht darum, Grenzen zu übersehen, sondern darum, Erschöpfung zu ignorieren. Das ist eine Frage der eigenen Kondition und betrifft niemanden sonst. Der Ausdruck wird deshalb fast immer im Rückblick benutzt, mit Anerkennung und in der dritten Person: über die Leute, die man am Sonntagabend nicht mehr für möglich gehalten hätte und dann doch getroffen hat.
AT TWINK DEATH
Die Definition auf der zweiten Kachel dieses Eintrags lautet "Confidence levels unsupported by available evidence." Bei uns ist das keine Diagnose, sondern die Personenbeschreibung derer, die um vier gegangen sind und am selben Abend wieder an der Tür stehen. Kurzform, wie sie in der Szene fällt: "The audacity."
Verwandte Begriffe
- Gay Panic — derselbe Mensch, wenige Stunden später und deutlich leiser.
- Gay Time — wann diese Pläne tatsächlich stattfinden.
- Main Character — der Modus, in dem sie gefasst werden.